Messschieberprüfung einer gebogenen Blechbaugruppe über der Fertigungszeichnung

Allgemeintoleranzen für Stanzteile: welche Norm wofür gilt

Im Titelblock steht ein Verweis wie „DIN ISO 2768-mK“. Im Angebot folgen Rückfragen: Was wird damit geprüft – und was nicht?

Inhalt

  1. Was bedeutet Allgemeintoleranz bei Stanzteilen?
  2. Wann gilt DIN 6930-2 – und wo muss sie angegeben sein?
  3. DIN ISO 2768 oder DIN 6930-2: welche Norm wofür?
  4. Was eine Allgemeintoleranz nicht ersetzt
  5. Warum der Toleranzgrad eine Kostenentscheidung ist
  6. Welche Angaben gehören in Zeichnung und Anfrage?
  7. Häufige Fragen
  8. Fazit

Allgemeintoleranzen gelten nur innerhalb des jeweiligen Normumfangs und nur, wenn die Norm in der Zeichnung oder einer zugehörigen technischen Unterlage ausdrücklich genannt ist. Einzeln tolerierte Maße gehen dem allgemeinen Verweis vor.

Was bedeutet Allgemeintoleranz bei Stanzteilen?

Eine Allgemeintoleranz ist keine Zusatzgenauigkeit. Sie legt Grenzen für nicht einzeln tolerierte Maße fest – soweit die zitierte Norm das Merkmal überhaupt erfasst.

Sie tritt an die Stelle einzelner Toleranzangaben für Maße und Merkmale, deren Funktion keine engere Grenze braucht. Der Verweis kann im Titelblock oder in einer zugehörigen technischen Unterlage stehen; jede Maßangabe mit eigener Toleranz geht dem allgemeinen Verweis vor.

Maßprüfung eines Blechteils mit Messschieber anhand der Zeichnung

Die Norm ordnet die Zeichnung, enthebt die Konstruktion aber nicht der Arbeit an den funktionsbestimmenden Merkmalen. Welche Maße funktionskritisch sind und wie Bezüge, Messbedingungen und Prüfanforderungen dafür festgelegt werden, behandelt der Artikel Toleranzen bei Stanzteilen ausführlich; dieser Text bleibt bei der Frage, welche Allgemeintoleranz überhaupt gilt.

Wann gilt DIN 6930-2 – und wo muss sie angegeben sein?

DIN 6930-2 gilt nicht automatisch für jedes Blechteil. Entscheidend sind Halbzeug, Verfahren und ein ausdrücklicher Verweis.

DIN Media führt DIN 6930-2:2011-10 als aktuelle Fassung für Stanzteile aus Stahl-Flachzeug. Der öffentliche Normumfang verlangt einen Verweis in der Zeichnung oder einer zugehörigen Unterlage; SIS nennt zudem eine klare Ausnahme: Feinschneidteile sind nicht erfasst. Ob die Norm für eine konkrete Anfrage passt, muss daher vor der Toleranzbewertung geklärt werden.

Prozessdarstellung: Scherschneiden von Blech an der Stanzmaschine

Der Normverweis legt den vereinbarten Toleranzrahmen für die nicht einzeln tolerierten Merkmale fest, die vom Normumfang erfasst werden. Fehlt er sowohl in der Zeichnung als auch in den zugehörigen Unterlagen, lässt sich dieser Rahmen nicht allein aus dem Herstellverfahren ableiten. Offene Anforderungen sollten vor dem Angebotsvergleich geklärt werden.

DIN ISO 2768 oder DIN 6930-2: welche Norm wofür?

Beide Normen regeln Allgemeintoleranzen – für unterschiedliche Werkstoffe und Fertigungsverfahren.

DIN ISO 2768-1 behandelt Allgemeintoleranzen für lineare und Winkelmaße ohne einzelne Toleranzangaben und ist nicht auf Stanzteile aus Stahl beschränkt. Welche der beiden Normen im Titelblock steht, entscheidet die Konstruktion anhand von Werkstoff und Fertigungsverfahren, nicht der Fertiger im Nachhinein.

Fertigungszeichnung eines Klemmbügels mit Allgemeintoleranzverweis im Titelblock

In echten Fertigungszeichnungen begegnet man häufig einer Kennzeichnung wie „DIN ISO 2768-mK“: Die Buchstaben stehen für die gewählte Klasse der linearen und Winkelmaße und für die Klasse der Form- und Lagetoleranzen. Welche Grenzwerte dahinterstehen, definiert die Norm; Ihre Zeichnung nennt die Kennzeichnung, nicht die Tabelle. Zwei Angaben aus dem Normenkontext sind für die Anfrage relevant: DIN Media führt DIN ISO 2768-1 in der Ausgabe 1991-06 als aktuelle Fassung, und DIN ISO 2768-2 ist dort als durch DIN EN ISO 22081 ersetzt ausgewiesen – ältere Zeichnungen mit einem „-2“-Verweis kann man daher heute anders lesen als zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Auch darüber entscheidet die Konstruktion, nicht der Fertiger.

Was eine Allgemeintoleranz nicht ersetzt

Der Normverweis deckt die nicht einzeln tolerierten Maße ab. Funktionskritische Merkmale brauchen weiter eigene Angaben.

Maße, deren Funktion von Maß, Form, Richtung oder Lage abhängt, brauchen eine eigene Toleranz mit Bezugssystem. Grat, Sichtflächen und der Prüfzustand kommen hinzu; sie gehören nicht in eine Allgemeintoleranz, sondern einzeln in die Zeichnung.

Messschieberprüfung einer geformten Baugruppe mit Prüfvorgabe aus der Zeichnung

Diese Grenze zeigt sich im Alltag immer wieder: ISO 9001 ist für mich ein Systemsignal, kein Maßprotokoll. Ein Qualitätsmanagementsystem sagt nicht, mit welchem Grenzwert ein Merkmal geprüft wird; das steht in der Zeichnung und in den Prüfvereinbarungen dazu. Dieselbe Grenze gilt für die Kanten: Wie eine prüfbare Kantenanforderung formuliert wird, zeigt der Artikel Stanzteile entgraten – „gratfrei“ als Einzelwort gehört in keine Allgemeintoleranz.

Warum der Toleranzgrad eine Kostenentscheidung ist

Der Toleranzgrad steht schnell im Titelblock. Bezahlt wird er in der Fertigung.

Die Normen unterscheiden Toleranzgrade, üblich als fein, mittel, grob und sehr grob. Ein engerer Grad ist kein Qualitätsbonus, sondern ein Preisfaktor: Er sollte zur Funktion des Teils passen, nicht zur Vorsicht.

Maßprüfung eines Rundteils mit Messschieber gegen die Zeichnung

Ich vergleiche keine Preise, wenn die eine Seite 3,0 mm meint und die andere untere Toleranz ausschöpft. Derselbe Vorbehalt gilt für den Grad: Zwei Angebote sind erst vergleichbar, wenn beide dieselbe Allgemeintoleranz im selben Umfang zugrunde legen. Und ein Grad wird nicht pauschal gewählt; ich veröffentliche keine hausinterne Toleranz für alle Stanzteile. Welcher Grad für Ihr Teil passt, ergibt sich aus Funktion, Werkstoff und Folgeprozessen – aus der Zeichnung, nicht aus einer Standardeinstellung.

Welche Angaben gehören in Zeichnung und Anfrage?

Der Normverweis allein macht eine Anfrage nicht bewertbar. Erst die übrigen Angaben machen daraus einen Auftrag.

In die Zeichnung gehört der Normverweis mit Grad, daneben Werkstoff mit Zustand, funktionskritische Maße mit eigener Toleranz und der Prüfzustand, in dem bewertet wird.

Maßprüfung eines schwarz beschichteten Blechteils anhand von Zeichnung und Prüfbericht

Kailai fertigt in Laizhou nach Zeichnung. Damit die Anfrage bewertbar wird, brauche ich diese Angaben:

  1. Zeichnung mit Revisionsstand und Normverweis im Titelblock
  2. Werkstoff und Zustand, Nenndicke
  3. Erstlos, Jahresmenge und Losaufteilung
  4. Funktionskritische Maße mit eigener Toleranz und Bezugssystem
  5. Kanten: Gratrichtung, Sichtflächen, zulässige Merkmale
  6. Prüfzustand und erwartete Prüfung
  7. Verpackung und Zieladresse

Senden Sie diese Unterlagen über die Kontaktseite. Wir prüfen Zeichnung und Fertigbarkeit und melden zurück, welche Angaben fehlen, bevor ein Angebot entsteht. Wie wir Stanzteile nach Zeichnung einordnen, steht in der Kategorie.

Häufige Fragen

Was bedeutet DIN ISO 2768-mK in der Zeichnung?

Der Verweis nennt die gewählte Klasse der Allgemeintoleranzen: den Grad für lineare und Winkelmaße und die Klasse für Form- und Lagetoleranzen. Welche Grenzwerte dahinterstehen, zeigt die Norm selbst. Die Kennzeichnung ersetzt keine eigene Toleranz an einem funktionskritischen Maß; für solche Maße steht die Grenze einzeln in der Zeichnung.

Gilt DIN 6930-2 auch für Edelstahl oder Aluminium?

DIN 6930-2 nennt Stanzteile aus Stahl-Flachzeug. Edelstahl ist Stahl, Aluminium nicht. Bei einem Edelstahlteil müssen dennoch Halbzeug und Herstellverfahren zum Normumfang passen; Feinschneidteile sind ausgenommen. Für Aluminium ist ein anderer geeigneter Toleranzrahmen oder eine Einzelangabe zu vereinbaren. Die Konstruktion legt den Verweis fest, nicht der Fertiger nachträglich.

Welche Toleranzgrade gibt es in den Allgemeintoleranzen?

Üblich sind vier Grade, meist als fein, mittel, grob und sehr grob bezeichnet. Der Grad bestimmt, welche Grenzwerte für nicht einzeln tolerierte Maße gelten. Er wird pro Zeichnung gewählt und gehört mit zur Anfrage, weil er Werkzeugauslegung, Nacharbeit und Prüfaufwand beeinflusst.

Reicht die Allgemeintoleranz für ein funktionskritisches Maß?

Nein. Maße, deren Funktion von Maß, Form, Richtung oder Lage abhängt, brauchen eine eigene Toleranz mit Bezugssystem; Allgemeintoleranzen sind der Rahmen für die übrigen Maße. Steht ein funktionskritisches Maß nur unter dem Normverweis, entscheidet im Streitfall die Norm – nicht das, was die Konstruktion gemeint hat.

Muss die Norm in der Zeichnung zitiert werden?

DIN 6930-2 muss ausdrücklich in der Zeichnung oder einer zugehörigen technischen Unterlage genannt sein. Ein Eintrag im Titelblock ist ein üblicher Weg, aber nicht der einzige. Fehlt ein solcher Verweis, sollte der gewünschte Toleranzrahmen vor dem Angebot geklärt werden; das Stanzverfahren allein legt ihn nicht fest.

Wird DIN ISO 2768 noch verwendet?

Ja, für lineare und Winkelmaße ist DIN ISO 2768-1 nach DIN Media weiterhin die aktuelle Fassung (1991-06). Für Form- und Lagetoleranzen wurde DIN ISO 2768-2 durch DIN EN ISO 22081 ersetzt. Zeichnungen mit einem „-2“-Verweis kann man daher heute anders lesen als zum Zeitpunkt ihrer Erstellung; im Zweifel gehört die gewünschte Auslegung in die Anfrage.

Fazit

Allgemeintoleranzen ordnen die Zeichnung; sie ersetzen keine funktionale Toleranz. Prüfen Sie Verweis, Grad und Umfang – und senden Sie die Zeichnung über die Kontaktseite.