Bei Aluminium-Tiefziehteilen reicht die Angabe „Alu, 1 mm“ für ein belastbares Angebot nicht aus. Legierung, Werkstoffzustand, Blechdicke und Geometrie wirken gemeinsam auf die Umformbarkeit – und auf die Eigenschaften, die nach dem Ziehen noch erreicht werden müssen.
Für Tiefziehteile nach Zeichnung sollte der Einkauf deshalb nicht zuerst nach einer „besten Aluminiumlegierung“ fragen. Die bessere Frage lautet: Welcher Werkstoffzustand erfüllt Funktion, Umformung, Oberfläche und Folgeprozesse dieser Zeichnung?
Was ist ein Aluminium-Tiefziehteil – und was nicht?
Ein Aluminium-Tiefziehteil entsteht aus einem Blechzuschnitt durch Umformen zu einem Hohlkörper. Ein Gussteil, ein aus dem Vollen gefrästes Teil oder eine geschweißte Schale kann eine ähnliche Außenform besitzen, ist aber fertigungstechnisch etwas anderes.
Diese Abgrenzung ist für die Anfrage wichtig. Wenn eine Fügestelle in einer Funktionszone nicht zulässig ist, kann eine geschweißte Alternative dort ausscheiden. Wenn dagegen nur der Einbauraum eines frühen Musters geprüft werden soll, kann eine andere Route projektbezogen bewertet werden. Die Wirtschaftlichkeitsfrage für kleine Lose gehört zum separaten Leitfaden Tiefziehen in Kleinserie.

Warum müssen Legierung und Werkstoffzustand zusammen in die Anfrage?
Die Legierungsfamilie allein beschreibt die Umformbarkeit nicht vollständig. Auch der Zustand des Halbzeugs beeinflusst Festigkeit und Formbarkeit. Die European Aluminium Automotive Manual unterscheidet bei Blech unter anderem nicht wärmebehandelbare 1xxx-, 3xxx- und 5xxx-Legierungen sowie aushärtbare 6xxx-Legierungen und zeigt ausdrücklich unterschiedliche Zusammenhänge zwischen Festigkeit, Formbarkeit und Zustand.
| Angabe | Warum sie für die technische Klärung wichtig ist |
|---|---|
| Legierungsbezeichnung | Legt die Werkstofffamilie und damit einen Teil der mechanischen, Korrosions- und Verarbeitungseigenschaften fest |
| Zustand / Temper | Beeinflusst Festigkeit und Umformbarkeit; dieselbe Legierung in anderem Zustand ist nicht automatisch austauschbar |
| Blechdicke | Gehört zur Geometrie- und Umformbewertung und darf bei einer Alternative nicht stillschweigend geändert werden |
| Liefer- und Endzustand | Klärt, welche Eigenschaften vor der Umformung benötigt und welche am fertigen Teil gefordert werden |
Für automobile Blechanwendungen beschreibt European Aluminium beispielsweise 5xxx-AlMg-Legierungen als nicht wärmebehandelbar und 6xxx-AlMgSi-Legierungen als aushärtbar. Das ist eine Werkstoffsystematik, keine Empfehlung, jede 5xxx- oder 6xxx-Legierung für jedes Tiefziehteil einzusetzen.
Auch die Aluminum Association führt Legierungs- und Zustandsbezeichnungen getrennt. Für eine eindeutige RFQ sollten deshalb die tatsächlich geforderte Legierung und der Zustand aus Zeichnung oder Werkstoffspezifikation übernommen werden.
Welche Geometriedaten braucht die Umformbewertung?
Eine Werkstoffnummer beantwortet nicht, ob die konkrete Geometrie in einer oder mehreren Operationen hergestellt werden kann. Für die technische Prüfung gehören mindestens Ausgangsdicke, Tiefe, Boden- und Übergangsradien, Flansch, Öffnungen und funktionskritische Bereiche zusammen.

Mehrere Ziehoperationen, Zwischenzustände oder zusätzliche Prozessschritte sind projektabhängig. Eine allgemeine Website-Zahl für maximal zulässige Ziehtiefe oder ein universelles Ziehverhältnis wäre ohne konkrete Geometrie, Werkstoffzustand und Prozessdefinition keine belastbare Freigabe.
Ebenso sollte die Walzrichtung nicht automatisch zu einer pauschalen Gut-/Schlecht-Regel werden. Wenn Richtungseffekte für Randform, Oberfläche oder Funktion relevant sind, gehören Orientierung und Prüfkriterium in Zeichnung oder Prüfvereinbarung.
Wie hängen Tiefziehen, Oberfläche und Folgeprozesse zusammen?
Eine spätere Sichtoberfläche, Beschichtung oder Fügestelle kann die Werkstoff- und Prozessentscheidung beeinflussen. Ziehen beansprucht die Oberfläche; Schmierung und Werkzeugkontakt gehören zum Prozess. Deshalb sollte bereits in der RFQ stehen, welcher Oberflächenzustand nach dem Umformen und nach einer eventuellen Reinigung gefordert wird.
Bei einer aushärtbaren Legierung ist außerdem relevant, in welchem Zustand geformt und welcher Endzustand gefordert wird. European Aluminium nennt für automobile 6xxx-Bleche beispielsweise formbare T4-Zustände und eine spätere Festigkeitssteigerung durch Alterung beziehungsweise Lackeinbrennen. Daraus darf jedoch keine allgemeine Wärmebehandlungsroute für Ihr Teil abgeleitet werden: Der geforderte Zustand und die zulässige Prozessfolge müssen projektspezifisch festgelegt sein.
Wenn nach dem Tiefziehen geschweißt, eloxiert, lackiert oder anderweitig oberflächenbehandelt werden soll, gehören diese Schritte in denselben Angebotsumfang oder müssen als klar abgegrenzte Schnittstelle dokumentiert werden. Eine Legierung darf nicht allein wegen guter Umformbarkeit gewählt werden, wenn sie den geforderten Endzustand oder Folgeprozess nicht erfüllt.
Welche Merkmale sollten Prüfung und Freigabe abdecken?
Die Prüfung folgt der Funktion der Zeichnung. Höhe, Durchmesser oder Flansch können wichtig sein; bei anderen Teilen stehen Wandbereich, Radien, Oberfläche oder eine definierte Fügestelle im Vordergrund. Ein allgemeines Toleranzversprechen für alle Aluminium-Tiefziehteile ersetzt diese Merkmalsdefinition nicht.

- Zeichnungsstand: Welcher Revisionsstand wird gefertigt und geprüft?
- Werkstoff: Welche Legierung und welcher Zustand sind gefordert?
- Messzustand: Vor oder nach Beschnitt, Reinigung und Oberflächenprozess?
- Funktionsmerkmale: Welche Maße, Radien oder Flächen entscheiden über die Freigabe?
- Oberflächenmerkmale: Welche Ziehspuren oder sichtbaren Bereiche werden bewertet?
- Nachweisumfang: Welche Prüfunterlagen sind für Muster und wiederkehrende Lieferungen vereinbart?
Wenn ein Muster oder eine Prozessfreigabe gefordert ist, sollte der Nachweis die tatsächlich geprüfte Ausführung erkennen lassen. Der Leitfaden zur Erstmusterprüfung und Serienfreigabe trennt Musterzweck, Fertigungsstand und Freigabeentscheidung.
Welche Angaben gehören in die RFQ für Aluminium-Tiefziehteile?
| RFQ-Feld | Was eindeutig angegeben werden sollte |
|---|---|
| Zeichnung | Teilenummer, Revision und gegebenenfalls 3D-Daten |
| Werkstoff | Legierung beziehungsweise Werkstoffspezifikation plus Zustand |
| Halbzeug | Ausgangsdicke und weitere für das Projekt vorgeschriebene Halbzeugangaben |
| Geometrie | Tiefe, Radien, Flansch, Öffnungen und funktionskritische Bereiche |
| Mengen | Erstlos sowie getrennt ausgewiesene geplante Wiederhollosen |
| Folgeprozesse | Beschnitt, Fügen, Reinigen, Wärme- oder Oberflächenbehandlung soweit gefordert |
| Prüfung | Funktionsmerkmale, Messzustand, Prüfumfang und erforderliche Dokumentation |
| Oberfläche | Sichtbereiche, zulässige Prozessspuren und Endoberfläche |
| Verpackung / Lieferung | Schutzanforderungen und vereinbarter Lieferumfang statt eines stillschweigend angenommenen Incoterms-Modells |
Bitte prüfen Sie die beigefügte Zeichnungsrevision für das angegebene Aluminiumblech einschließlich Legierung, Zustand und Ausgangsdicke. Bestätigen Sie die zugrunde gelegte Umformroute und kennzeichnen Sie offene Punkte bei Radien, Flansch, Oberflächenzustand und Folgeprozessen.
Bitte weisen Sie Werkzeug- beziehungsweise einmaligen Projektaufwand getrennt von mengenabhängigen Fertigungskosten aus und nennen Sie die für Muster und spätere Lieferungen vereinbarten Prüf- und Dokumentationsumfänge. Werkstoff, Zustand oder Blechdicke dürfen nur nach technischer Abstimmung geändert werden.
Kailai bewertet Aluminium-Tiefziehteile projektbezogen nach Zeichnung. Ob die angefragte Legierung, der Zustand und die Geometrie mit der vorgesehenen Route zusammenpassen, wird in der technischen Klärung geprüft. Daraus folgt keine pauschale Zusage für jede Aluminiumlegierung, Ziehtiefe oder Losgröße.
Häufige Fragen zu Aluminium-Tiefziehteilen
Welche Aluminiumlegierung eignet sich am besten zum Tiefziehen?
Es gibt keine einzige beste Legierung für alle Tiefziehteile. Umformbarkeit, geforderte Festigkeit, Oberfläche, Korrosionsumgebung und Folgeprozesse müssen gemeinsam betrachtet werden. Legierung und Zustand gehören deshalb zusammen in die Anfrage.
Kann ich nur „EN AW-5754“ angeben?
Die Legierungsbezeichnung allein lässt den Werkstoffzustand offen. Wenn der Zustand für mechanische Eigenschaften und Umformung relevant ist, sollte er ebenfalls in Zeichnung oder Werkstoffspezifikation stehen.
Sind 5xxx-Legierungen grundsätzlich besser formbar als 6xxx?
Eine pauschale Rangfolge ist für eine konkrete Zeichnung nicht belastbar. European Aluminium zeigt unterschiedliche Werkstoff- und Zustandskonzepte für beide Familien. Entscheidend ist die konkrete Legierung, der Zustand und die geforderte Geometrie beziehungsweise Endfunktion.
Kann ein Aluminium-Tiefziehteil nachträglich eloxiert werden?
Eine Oberflächenbehandlung kann Teil des Projektumfangs sein, muss aber mit Legierung, gefordertem Erscheinungsbild, Umformspuren und Vorbehandlung abgestimmt werden. „Eloxiert“ allein definiert noch keine zulässige Sichtoberfläche.
Ab welcher Stückzahl lohnt sich das Werkzeug?
Eine universelle Stückzahlgrenze ist nicht belastbar. Verglichen werden technisch zulässige Routen für dieselbe Ausführung sowie einmalige, losbezogene und mengenabhängige Kosten. Diese Entscheidung behandelt der separate Kleinserien-Leitfaden.
Quellen und weiterführende Informationen
Für die Werkstoffsystematik und den Zusammenhang von Legierungsfamilie, Zustand und Formbarkeit wurden öffentlich verfügbare Unterlagen von European Aluminium sowie die Standards- und Registrierungsinformationen der Aluminum Association herangezogen. Die Quellen dienen der technischen Einordnung; die Freigabe eines konkreten Tiefziehteils erfolgt anhand der Projektunterlagen.
Nächster Schritt
Senden Sie Zeichnungsrevision, Legierung, Zustand, Blechdicke, Erstlos und geplante Wiederholungen mit Ihrer Anfrage an Kailai. So können Werkstoff, Umformroute, Folgeprozesse und Prüfanforderungen vor dem Angebot gemeinsam geklärt werden.