Ein Foto mit dem Vermerk „zu viel Grat“ beschreibt zunächst nur einen Befund. Ohne Revision, betroffene Kante, Seite und Messzustand fehlt die Grundlage für eine belastbare Ursachenanalyse.
Bei einem Stanzfehler sichere ich zuerst den Befund am Bauteil. Werkzeugzustand und Schneidspalt können später als Einflussgrößen geprüft werden, sind aber noch keine Diagnose. Erst mit Zeichnungsstand, Merkmal und vergleichbarer Messung lässt sich über Sortierung, Nacharbeit, Sperrung oder Freigabe entscheiden.
Für die Beurteilung von Stanzfehlern an kundenspezifischen Stanzteilen gehe ich in dieser Reihenfolge vor. Der Text gilt für gelochte, ausgeschnittene und gebogene Teile nach Zeichnung. Tiefziehfehler behandle ich hier nicht; dafür braucht es den eigenen Prozesskontext mit Niederhalter, Materialfluss und Ziehstufen.
Die Aufnahme zeigt eine manuelle Winkelprüfung neben der Zeichnungsdokumentation. Sie belegt weder eine konkrete Toleranz noch eine Freigabe.
Inhalt
- Was ist ein Stanzfehler am Teil – und was ist ein Stempelbruch?
- Welche Angaben gehören ins Fehlerbild, bevor jemand die Ursache rät?
- Welche Fehlergruppe liegt vor?
- Wann wird aus einer Abweichung ein Ausschussgrund?
- Wie prüfe ich Ursachenhypothesen, ohne das erste Foto zur Diagnose zu machen?
- Wie grenze ich betroffene Teile ein, und wann ist eine Korrektur nachgewiesen?
- Welche Unterlagen braucht die technische Prüfung?
- Häufige Fragen
Was ist ein Stanzfehler am Teil – und was ist ein Stempelbruch?
Unter dem Begriff „Stanzfehler“ werden häufig zwei Dinge vermischt: der Befund am Bauteil und Probleme am Werkzeug.
Das sind unterschiedliche Aufgaben. Im Wareneingang liegt ein konkretes Bauteil, ein Messwert oder ein Foto vor. Zuerst muss der Befund am Werkstück eindeutig beschrieben werden. Stempelausrichtung, Abstreifer und Butzenbild sind später mögliche Prüfspuren auf Werkzeugseite; sie ersetzen Kante, Seite, Revision und Messmethode nicht.
Werkzeugseitig prüft man etwa Butzenbild, Schneidkanten und Führungen. Am Bauteil dokumentiert man dagegen Grat, Lochlage, Winkel, Kratzer oder Risse. Wer beides vermischt, schreibt der Reklamation schnell eine Ursache zu, bevor Material, Werkzeug, Prozess, Handhabung und Messung sauber getrennt geprüft wurden.

Stempel, Streifen und Butzen gehören zur Fertigung. Die Aufnahme ist kein Reklamationsfall und kein Nachweis für Schneidspalt oder Grathöhe.
Eine Schneidspalt-Tabelle in Zoll für dicke Bleche ist kein Abnahmekriterium. Das für Kailai bestätigte Dickenfenster für Stanzteile liegt bei 0,2–8 mm; daraus folgt weder eine allgemeine Schneidspaltvorgabe noch eine zulässige Grathöhe.
Ich starte mit dem Teil. Die Werkzeugseite kommt als Hypothese, sobald der Befund reproduzierbar ist.
Welche Angaben gehören ins Fehlerbild, bevor jemand die Ursache rät?
Ohne gesicherten Zustand verschwindet die Spur, sobald jemand entgratet, nachbiegt oder Parameter ändert.
Für eine belastbare Reklamation brauche ich daher zuerst einen Datensatz, mit dem sich dasselbe Teil später eindeutig wiederfinden lässt. Ein Dateiname IMG_1234 ohne Orientierung reicht dafür nicht.
| Angabe | Was konkret festhalten? | Warum wird sie gebraucht? |
|---|---|---|
| Teilidentität | Teilenummer, Benennung, Variante | Verhindert die Vermischung ähnlicher Teile |
| Technischer Stand | Zeichnungsnummer, Revision, Datum | Ordnet den Befund der richtigen Forderung zu |
| Werkstoff | Bezeichnung, Dicke, bekannter Lieferzustand | Begrenzt, welche Lose vergleichbar sind |
| Losbezug | Los, Lieferposition, Fertigungs- oder Wareneingangsdatum | Hilft, den Umfang einzugrenzen |
| Menge | geprüfte, betroffene, noch ungeprüfte Stückzahl | Trennt Einzelbefund und Serienhinweis |
| Fehlerort | Kante, Fläche, Bohrung, Biegung; innen/außen; links/rechts | Macht den Befund am Teil wiederauffindbar |
| Richtung | Gratseite, Walzrichtung, Biegerichtung, Lage zum Bezug | Verknüpft das Bild mit der Prozessfolge |
| Foto | Übersicht, Nahaufnahme, Maßstab im Bild | Zeigt Lage und Größenordnung ohne Schätzung |
| Messung | Merkmal, Bezug, Messmittel, Auflage oder Spannung, Einzelwerte | Ermöglicht einen reproduzierbaren Vergleich |
| Bauteilzustand | roh, entgratet, gebogen, beschichtet, montiert, verpackt | Zeigt, in welchem Schritt die Abweichung auffiel |

Messung und Unterlagen liegen beieinander. Das Foto belegt kein Istmaß und keine Freigabe.
Zweckmäßig ist eine Bezeichnung, die zur Zeichnung passt, zum Beispiel „Teil A, Revision C, Los 24-08, Außenkante K3, Gratseite unten“. Steht in der Meldung bereits „Werkzeugverschleiß“, obwohl diese Grunddaten fehlen, beginnt die Ursachenanalyse am falschen Punkt.
Welche Fehlergruppe liegt vor?
Die erste Einordnung folgt dem beobachteten Merkmal. Sie ersetzt keine Ursachenanalyse.
| Fehlergruppe | Typische Beobachtung | Zuerst klären | Noch nicht daraus ableiten |
|---|---|---|---|
| Schnittkante | Grat, Kanteneinzug, unvollständiger Schnitt, Ausbruch, versetzte Lochkontur | betroffene Kante, Gratseite, Richtung, Verlauf, Schneidoperation | Verschleiß oder falscher Schneidspalt als bewiesene Ursache |
| Maß und Lage | Länge, Lochabstand, Position, Kontur außerhalb der Vorgabe | Bezug, Messrichtung, Teilzustand, Messaufbau, Einzelwerte | dass allein das Werkzeug verantwortlich ist |
| Form | Winkelabweichung, Rückfederung, Wölbung, Verzug | freie oder gespannte Messung, Auflage, Orientierung, Zeitpunkt | eine feste Korrektur ohne Werkstoff- und Prozessprüfung |
| Oberfläche | Kratzer, Druckstelle, Abrieb, Verunreinigung | Funktions- oder Sichtfläche, Größe, Tiefe, Lage, Verpackungszustand | ob die Spur in Fertigung, Transport oder Wareneingang entstand |
| Umformmerkmal | Riss, Einschnürung, Falte | tatsächlicher Umformschritt, Richtung, Radius, Materialzustand | dass eine allgemeine Stanzregel oder ein Tiefziehparameter automatisch passt |

Hier entsteht eine Schnittkante. Die Aufnahme zeigt keine Kailai-Anlage und keinen nachgewiesenen Fehler.
Grat und Schnittkante
Bei einem Gratbefund nenne ich nicht nur eine vermeintliche Höhe. Ich brauche Kante, Innen- oder Außenseite, Gratrichtung, Ausdehnung und Messmethode. Ein umlaufender Grat, ein lokaler Grat an einer Konturänderung und eine Beschädigung nach dem Stanzen sind verschiedene Befunde.
Die ISO 13715:2017 beschreibt, wie Kanten unbestimmter Form in technischen Unterlagen angegeben und bemaßt werden können. Daraus folgt keine zulässige Grathöhe für alle Stanzteile. Welche Angabe vor der Anfrage auf die Zeichnung gehört, steht unter Stanzgrat richtig spezifizieren.
Werkzeugzustand, Spalt, Werkstoff, Dicke, Führung und Geometrie können das Schnittbild beeinflussen. Das belegen technische Arbeiten der FAU und des IFU Stuttgart für ihre jeweiligen Versuche. Die dort untersuchten Zahlenwerte lassen sich nicht als allgemeine Werkseinstellung übertragen.

Entgraten oder eine andere Kantenbearbeitung verändert den ursprünglichen Randzustand. Das Foto belegt keine Grathöhe und keine automatische Nacharbeit für jedes Teil.
Vor einer Nacharbeit durch Entgraten sollte feststehen, welche Seite bearbeitet werden darf, welcher Endzustand gefordert ist und welche Merkmale danach erneut geprüft werden. Entgraten ist keine pauschale Lösung für jede Gratreklamation.
Maß, Position, Winkel und Verzug
„Zwei Millimeter zu kurz“ ist nur vergleichbar, wenn Bezug und Bauteilzustand gleich sind. Ein gebogenes Teil kann frei aufliegen, an Punkten aufliegen oder in einer Vorrichtung spannen. Diese Zustände liefern nicht denselben Wert.
Für Winkel und Verzug gehören in den Befund:
- Bezug und Messrichtung;
- freie, aufgelegte oder gespannte Messung;
- Zustand vor oder nach Biegen, Entgraten, Beschichten oder Montage;
- Lage der größten Abweichung;
- Einzelwerte statt nur Mittelwert oder bestanden/nicht bestanden;
- weitere Bedingungen, wenn die vereinbarte Prüfung sie nennt.

Der Messaufbau ist Teil des Befunds. Das Foto belegt keine Zeichnungstoleranz.
Bezüge und Prüfanforderungen vor der Bestellung stehen in Toleranzen bei Stanzteilen. Welchen Winkel die Zeichnung nach dem Entlasten meint, erklärt Rückfederung beim Stanzen. Eine pauschale Ebenheitszusage ersetzt die zeichnungsbezogene Bewertung nicht.
Kratzer, Druckstellen und Verunreinigung
Die Lage entscheidet oft mehr als das Wort „Kratzer“. Dieselbe Spur auf einer später verdeckten Fläche und an einer Dicht- oder Sichtfläche ist nicht dieselbe Anforderung. Funktionszonen müssen in den Unterlagen erkennbar sein.
Ich fotografiere Übersicht und Detail bei vergleichbarer Beleuchtung. Zusätzlich halte ich fest, wann die Spur auffiel: nach dem Pressen, nach dem Entgraten, nach der Beschichtung, beim Auspacken oder in der Montage. Daraus werden prüfbare Hypothesen. Das Foto beweist keine davon.
Risse und Falten: erst den Umformprozess identifizieren
Risse und Falten heißen in vielen Listen pauschal Stanzfehler. Für die Prüfung zählt, ob die Stelle beim Schneiden, Biegen, Prägen oder Tiefziehen entstand. Lage, Richtung, Radius, Materialzustand und der Prozessschritt gehören in den Befund.
Niederhalterkraft, Ziehsicke und Ziehverhältnis sind keine allgemeine Lösung für ein gelochtes oder gebogenes Teil. Ohne den realen Schritt bleibt „zu wenig Druck“ eine Vermutung. Tiefziehfehler brauchen eine eigene Prozessanalyse.
Wann wird aus einer Abweichung ein Ausschussgrund?
Nicht jede sichtbare Spur ist Ausschuss. Ein unauffälliges Teil kann ein funktionskritisches Maß verfehlen. Für die Entscheidung müssen drei Ebenen zusammenpassen:
- Anforderung: Welche Zeichnung, Revision, Spezifikation oder freigegebene Abweichung gilt?
- Merkmal: Welches Merkmal ist betroffen – Kante, Fläche, Maß, Lage oder Funktion?
- Nachweis: Unter welchen Bedingungen wurde geprüft, und welche Entscheidungsregel gilt?
Die ISO 8015:2011 ordnet die geometrische Produktspezifikation dem gesamten Dokumentationspaket zu. Die ISO 14253-1:2017 behandelt Konformitätsentscheidungen bei gemessenen Merkmalen und die Messunsicherheit, besonders nahe an Grenzen.
Ein Wert nahe der Grenze lässt sich ohne vereinbarten Messaufbau und anwendbare Entscheidungsregel nicht belastbar bewerten. Eine projektspezifische Annahmezone oder ein Unsicherheitsbudget lässt sich daraus nicht ableiten; beides gehört in die vereinbarte Prüfplanung.
| Aussage | Was die Aussage belegt | Was sie nicht belegt |
|---|---|---|
| „Man sieht Grat“ | eine Beobachtung | die zulässige Kante nach Zeichnung |
| „Maß liegt im Feld, aber knapp“ | einen Zahlenwert | die Entscheidung ohne Messunsicherheit und Regel |
| „Teil verzogen“ | einen Eindruck | Winkel oder Ebenheit unter definiertem Zustand |
| „Foto vom Butzen“ | einen Hinweis für die Fertigung | den Wareneingangsbefund am Teil |
Wie prüfe ich Ursachenhypothesen, ohne das erste Foto zur Diagnose zu machen?
Erst nach der Dokumentation werden Ursachen systematisch geprüft. Die erste plausible Erklärung ist noch kein Ergebnis.
| Kategorie | Mögliche Prüfspur | Benötigte Nachweise |
|---|---|---|
| Material | Charge, Dicke, Lieferzustand, Oberfläche, Walzrichtung | Materialunterlagen und Vergleich mit freigegebenem Stand |
| Werkzeug | Schneidkante, Führung, Einsatz, Verschleißbild, Anhaftung | Werkzeugstand, Änderungsdaten, Muster aus definierten Zeitpunkten |
| Prozess | Vorschub, Lage, Reihenfolge, Schmierung, Einstellung | dokumentierte Stände vor und nach dem Auftreten |
| Handhabung | Behälter, Zwischenablage, Stapeln, Verpackung, Transport | Fotos der Stufen und räumliche Verteilung der Spuren |
| Messung | falscher Bezug, wechselnde Auflage, ungeeignetes Mittel, Übertragungsfehler | Messanweisung, Aufbau, Einzelwerte, Wiederholmessung |

Ein Werkzeugbestand erklärt noch keine Ursache. Das Foto belegt keinen Verschleißzustand und keine Korrektur.
Wo die Serie im Werkzeug sitzt, beschreibt der Beitrag zum Werkzeugbau im Metallstanzen. Ich behandle Stempelbruch dort als Werkzeugthema, nicht als Ersatz für den Teilbefund.
Eine Hypothese wird stärker, wenn sie mehrere Beobachtungen erklärt. Sie bleibt schwach, wenn nur ein Foto vorliegt oder wenn nach einer Änderung zugleich Messmethode, Charge und Bauteilzustand gewechselt haben.
Ob SPC, CAE oder spezielle Prüfverfahren sinnvoll sind, hängt vom Projekt und vom vereinbarten Prüfplan ab. Aus der bloßen Nennung solcher Verfahren lässt sich keine allgemeine Kailai-Leistung ableiten.
Wie grenze ich betroffene Teile ein, und wann ist eine Korrektur nachgewiesen?
Bei einem relevanten Befund sollten betroffene Bestände eindeutig gekennzeichnet und von unbetroffenen Beständen getrennt werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Projekt gesperrt wird. Der Umfang richtet sich nach Losbezug, Aufzeichnungen und der Frage, ab wann derselbe Einfluss vorgelegen haben kann.
Ein belastbarer Datensatz hält fest:
- welche Bestände und Lieferpositionen geprüft oder gesperrt wurden;
- wie Teile gekennzeichnet und physisch getrennt sind;
- welche Stichprobe oder Vollprüfung vereinbart wurde;
- wo Originalteile für die Analyse liegen;
- welche Teile schon nachgearbeitet wurden;
- welcher Datensatz den letzten nachweislich guten und den ersten nachweislich auffälligen Zustand beschreibt;
- wer nach dem vereinbarten Qualitätsprozess über Sortierung, Nacharbeit oder Freigabe entscheidet.
Ein „letzter nachweislich guter“ und ein „erster nachweislich auffälliger“ Zustand sind nur belastbar, wenn Aufzeichnungen diese Grenzen tragen. Ein Schichtwechsel ohne Daten ist dafür keine Grenze.
Eine Korrektur ist noch kein Wirksamkeitsnachweis. Nach Werkzeugpflege, Prozessänderung, geänderter Handhabung oder genehmigter Nacharbeit prüfe ich die betroffenen Merkmale erneut.
| Vergleichspunkt | Vorher und nachher abgleichen |
|---|---|
| Dokument | identische freigegebene Zeichnung und Revision |
| Teil | gleiche Variante, Material- und Lieferzustand |
| Merkmal | gleiche Kante, Fläche, Dimension oder Lage |
| Bezug | identische Bezugsbildung, Auflage, Orientierung |
| Messung | gleiche oder nachweislich vergleichbare Methode |
| Umfang | vereinbarte Zahl und Verteilung |
| Entscheidung | dokumentierte Verantwortung für Freigabe, Nacharbeit oder weitere Sperre |
Wenn mehrere Dinge zugleich geändert werden, lässt sich eine Einzelmaßnahme schwer zuordnen. Dann muss wenigstens stehen, was gemeinsam verändert wurde und auf welchen Daten die neue Entscheidung beruht.
Welche Unterlagen braucht die technische Prüfung?
Für eine erste Zuordnung senden Sie die aktuelle Zeichnung und Revision, Werkstoff und Blechdicke, Bestell- oder Losbezug, betroffene Menge sowie Fotos mit Übersicht, Detail und Maßstab. Markieren Sie Fehlerort, Seite und Richtung in einer Zeichnungskopie. Ergänzen Sie Messwerte mit Methode und Bauteilzustand.
Falls bereits sortiert, nachgearbeitet oder an Prozessbedingungen etwas geändert wurde, nennen Sie Zeitpunkt und Umfang. Sonst vermischen sich ursprünglicher Zustand und Daten nach der Änderung.
Die Meldung „Grat zu hoch“ führt zwangsläufig zu Rückfragen, solange Kante, Seite, Revision und Messung fehlen. Über die Kontaktseite können Sie Zeichnung und Fehlerbild zur Prüfung senden. Nennen Sie außerdem, was geprüft werden soll: Ursache, Sortierbedarf, mögliche Nacharbeit oder die technische Bewertung für eine neue Anfrage.
Ich beginne mit Revision, Merkmal und Messzustand. Fehlt eines dieser drei Felder, ist zunächst eine Rückfrage nötig – keine voreilige Prozessänderung.
Häufige Fragen
Reicht ein Foto mit der Aussage „zu viel Grat“ für die Beurteilung eines Stanzfehlers?
Ein Foto eines Stanzteils ohne Angabe von Kante, Seite, Maßstab, Zeichnungsrevision und Messmethode reicht für eine belastbare Beurteilung selten aus. Es zeigt eine Spur, nicht die Anforderung und nicht die Ursache. Für die Prüfung eines Stanzfehlers gehören Teilidentität, Los und Bauteilzustand dazu.
Ist jeder sichtbare Grat an einem Stanzteil automatisch Ausschuss?
Ein sichtbarer Grat an einem Stanzteil ist eine Beobachtung. Ausschuss wird erst, wenn die geltende Zeichnung, die Funktion der Kante und das vereinbarte Prüfverfahren das so festlegen. Eine allgemeine Grathöhe für alle Stanzteile folgt daraus nicht.
Kann ich die Ursache eines Stanzfehlers am Butzen ablesen?
Der Butzen kann der Fertigung einen Hinweis auf Spalt, Verschleiß oder Ausrichtung geben. Die Wareneingangsprüfung eines Stanzteils braucht trotzdem den Befund am Teil: betroffene Kante, Seite, Revision und Messmethode. Ein Butzenfoto ersetzt dieses Paket nicht.
Gelten Schneidspalt-Tabellen in Zoll für jedes Stanzteil?
Tabellen in Zoll für dicke Bleche sind kein Abnahmekriterium und kein universelles Rezept für jedes Stanzteil. Unser Dickenfenster für Stanzteile liegt bei 0,2–8 mm. Ich übernehme aus solchen Tabellen keine Spaltvorgabe und keine Grathöhe.
Sind Falten immer ein Stanzfehler am gelochten oder gebogenen Teil?
Falten können ein Umformmerkmal sein. Für ein gelochtes oder gebogenes Stanzteil dürfen Niederhalterkraft und Ziehsicke nicht als allgemeine Lösung übernommen werden. Zuerst muss der tatsächliche Umformschritt feststehen. Tiefziehfalten gehören in eine eigene Prüfung.
Was muss in der ersten Nachricht zu einem Stanzfehler stehen?
In der ersten Nachricht zu einem Stanzfehler sollten Zeichnung und Revision, Werkstoff und Dicke, Los und Menge, markierter Fehlerort sowie Fotos mit Maßstab und vorhandene Messwerte stehen. Nennen Sie außerdem den Bauteilzustand und die gewünschte Reaktion. Ohne diese Angaben bleibt die technische Prüfung an Rückfragen hängen.