Eine Anfrage mit „Edelstahl, 2 mm“ lässt Werkstoff, Ausführung und Prüfumfang offen. Zwei Angebote können dann gleich aussehen, obwohl sie nicht dieselbe Leistung enthalten.
Für vergleichbare Angebote zu Edelstahl-Stanzteilen braucht die RFQ mindestens Zeichnungsrevision, Werkstoffnummer mit Norm, Liefer- und Oberflächenzustand, Nenndicke mit Toleranzbasis, funktionskritische Maße, Kantenanforderung, Mengenbasis, Folgeprozesse sowie die verlangten Prüf- und Materialdokumente.
Die folgende Struktur trennt Angaben, die auf die Zeichnung gehören, von Angaben für Angebot und Lieferumfang. Die Auswahl der Edelstahlgüte behandelt eine eigene Seite.
Inhalt
- Welche Angaben müssen vor dem Angebot feststehen?
- Wie wird der Werkstoff eindeutig bezeichnet?
- Wie werden Dicke, Oberfläche und Sichtseite beschrieben?
- Wie werden Kante, Grat und Funktionsmaße prüfbar?
- Welche Mengen, Folgeprozesse und Liefergrenzen gehören in die RFQ?
- Welche Prüf- und Materialdokumente müssen bestellt werden?
- RFQ-Vorlage zum Kopieren
- Häufige Fragen
Welche Angaben müssen vor dem Angebot feststehen?
Vor der Kalkulation muss feststehen, welches Teil in welcher Version angeboten wird. Eine aktuelle Zeichnung ist dabei wichtiger als eine lange Beschreibung im E-Mail-Text.

Die Zeichnungsnummer allein reicht nicht, wenn beim Lieferanten noch eine ältere Revision liegt. Schreiben Sie deshalb Nummer, Revision und Freigabedatum in die Anfrage. Ein 3D-Modell kann die Geometrie ergänzen; Toleranzen, Oberfläche, Kante und Prüfmerkmale sollten trotzdem in der freigegebenen 2D-Unterlage oder in einer eindeutig zugeordneten Spezifikation stehen.
| Angabe | Wo sie hingehört | Wofür sie gebraucht wird |
|---|---|---|
| Zeichnungsnummer, Revision, Datum | Zeichnung und RFQ | Verhindert, dass Angebot und Fertigung auf unterschiedlichen Ständen beruhen |
| Werkstoffnummer, Norm, Ausgabe | Zeichnung oder Materialspezifikation | Macht den bestellten Werkstoff identifizierbar |
| Nenndicke und Toleranzbasis | Zeichnung/RFQ | Schafft eine gemeinsame Grundlage für Material und Machbarkeitsprüfung |
| Erstlos, Losaufteilung, Jahresmenge | RFQ | Definiert die Kalkulationsbasis |
| Prüf- und Dokumentenanforderungen | RFQ/Qualitätsvereinbarung | Legt fest, welche Nachweise mitgeliefert werden |
Kailai fertigt nach Zeichnung. Ein öffentliches Datenblatt oder eine allgemeine Kapazitätstabelle ersetzt diese Prüfung nicht.
Wie wird der Werkstoff eindeutig bezeichnet?
„Edelstahl“, „V2A“ und „V4A“ sind keine vollständigen Bestellangaben. Schreiben Sie die Werkstoffnummer, die anwendbare Norm mit Ausgabe sowie den benötigten Liefer- und Oberflächenzustand.

Die aktuelle DIN EN 10088-2:2025-01 beschreibt technische Lieferbedingungen für Blech und Band aus korrosionsbeständigen Stählen für allgemeine Verwendung. Ob diese Norm für Ihr Bauteil die richtige Grundlage ist, hängt vom Produkt und der Anwendung ab. Kopieren Sie deshalb keine Norm aus einem fremden Angebot, sondern nennen Sie die im Projekt freigegebene Grundlage.
Eine brauchbare Materialzeile besteht aus getrennten Feldern: Werkstoffnummer, Norm und Ausgabe, Erzeugnisform, Lieferzustand, Oberflächenzustand und Nenndicke. Wenn der Werkstoff noch nicht freigegeben ist, kennzeichnen Sie die Angabe als Vorschlag und legen Sie fest, wer die Freigabe erteilt. Der Lieferant sollte eine ungeklärte Güte nicht stillschweigend ersetzen.
Wie werden Dicke, Oberfläche und Sichtseite beschrieben?
Nenndicke, zulässige Abweichung und Oberflächenzustand gehören zusammen. Eine Angabe wie „2 mm Edelstahl, geschliffen“ lässt zu viele Auslegungen zu.
Nennen Sie die Nenndicke und die anzuwendende Toleranzgrundlage. Wenn ein Funktionsmaß von der tatsächlichen Blechdicke abhängt, markieren Sie es in der Zeichnung. Für Sichtteile kommen Schleifrichtung, Schutzfolie, zulässige Kratzer und die sichtbare Seite hinzu. „Sichtseite nach außen“ ist ohne Bauteilorientierung nicht prüfbar; eine markierte Ansicht oder ein eindeutiger Zeichnungshinweis ist besser.
Beschreiben Sie außerdem, ob der angegebene Oberflächenzustand für das Rohmaterial oder für das fertige Teil gilt. Entgraten, Schleifen, Beizen, Passivieren, Beschichten oder Schweißen können das Aussehen und einzelne Maße verändern. Diese Schritte gehören deshalb in den Angebotsumfang; daraus folgt nicht, dass jeder Schritt im selben Werk ausgeführt wird.
Wie werden Kante, Grat und Funktionsmaße prüfbar?
„Gratfrei“ beschreibt keinen messbaren Abnahmezustand. Legen Sie fest, an welcher Kante welches Ergebnis verlangt wird und wie es geprüft werden soll.
Die DIN EN ISO 13715:2020-01 regelt Angaben und Bemaßung für Kanten mit unbestimmter Gestalt. Sie nimmt dem Konstrukteur die Festlegung jedoch nicht ab. Wenn eine definierte Fase oder ein Radius gebraucht wird, muss diese Geometrie bemaßt werden. Bei einer funktionalen Schneidkante sind außerdem die betrachtete Seite und die zulässige Abweichung festzulegen.
Ordnen Sie Funktionsmaße einer Bezugsstruktur und einer Prüfmethode zu. Ein Lochdurchmesser, eine Lage und eine Ebenheit können unterschiedliche Messmittel und Stichproben verlangen. Die Seite Stanzgrat spezifizieren vertieft die Kantenangabe; in der RFQ genügt der Verweis auf die freigegebene Zeichnung und den vereinbarten Prüfumfang.
Welche Mengen, Folgeprozesse und Liefergrenzen gehören in die RFQ?
Eine Jahresmenge ohne Losaufteilung reicht für ein vergleichbares Angebot nicht. Erstlos, Abrufgröße, Jahresbedarf und Laufzeit bilden gemeinsam die Mengenbasis.
Schreiben Sie außerdem alle Folgeprozesse in eine Lieferumfangsliste: Entgraten, Biegen, Gewinde, Einsätze, Schweißen, Oberflächenbehandlung, Reinigung, Kennzeichnung, Verpackung und gegebenenfalls Baugruppenmontage. Bei jedem Punkt sollte erkennbar sein, ob er im Angebot enthalten, vom Kunden beigestellt oder separat freigegeben wird. So vergleichen Sie nicht den Preis eines Rohstanzteils mit dem Preis eines geprüften, verpackten Fertigteils.
Auch Werkzeug und Eigentumsgrenzen brauchen eine Zeile: Neubau oder vorhandenes Werkzeug, Eigentümer, Freigabestand, Wartungsumfang und Vorgehen bei einer Änderung. Eine Stückzahl allein bestimmt die Werkzeugroute nicht. Kailai prüft nach Eingang der Unterlagen Zeichnung, Machbarkeit und Lieferumfang und stellt bei offenen Punkten Rückfragen; eine feste Antwortfrist ist damit nicht verbunden.
Welche Prüf- und Materialdokumente müssen bestellt werden?
Bestellen Sie Dokumente nach ihrer Aufgabe. Ein Werkstoffzeugnis dokumentiert den Werkstoffbezug; ein Teileprüfbericht dokumentiert vereinbarte Merkmale am gefertigten Stanzteil.

Die DIN EN 10204:2005-01 legt Arten von Prüfbescheinigungen fest, die dem Besteller entsprechend den Vereinbarungen bei der Bestellung für metallische Erzeugnisse bereitgestellt werden. Wenn ein bestimmter Dokumenttyp verlangt wird, muss er in RFQ und Bestellung stehen. Die allgemeine Formulierung „mit Zeugnis“ ist dafür zu ungenau.
Definieren Sie separat, welche Merkmale am fertigen Teil berichtet werden sollen, wie das Dokument heißt, ob es sich auf Erstbemusterung oder Serie bezieht und wie Teil, Los und Materialcharge zugeordnet werden. Die Seite zur Chargenrückverfolgbarkeit bei Stanzteilen zeigt die Schnittstelle zwischen Materialdokument, Fertigungslos und Teilekennzeichnung.
RFQ-Vorlage zum Kopieren
Die Felder lassen sich direkt in eine Anfrage übernehmen. Nicht anwendbare Punkte sollten als „nicht erforderlich“ markiert werden, statt leer zu bleiben.
Bauteil / Projekt:
Zeichnungsnummer, Revision, Datum:
3D-Datei und zugehörige Version:
Werkstoffnummer:
Werkstoffnorm und Ausgabe:
Erzeugnisform / Lieferzustand / Oberflächenzustand:
Nenndicke und Toleranzbasis:
Sichtseite / Schleifrichtung / Schutzfolie:
Funktionskritische Maße und Bezüge:
Kanten- und Gratanforderung:
Weitere Prüfmerkmale und Prüfmethode:
Erstlos:
Abrufmenge:
Jahresmenge und geplante Laufzeit:
Folgeprozesse und Liefergrenze:
Werkzeugstatus / Eigentümer / Freigabe:
Materialdokumente:
Teileprüfberichte:
Kennzeichnung, Verpackung und Lieferort:
Wenn einzelne Felder noch offen sind, kennzeichnen Sie den Entscheidungsstatus und den Verantwortlichen. Das ist belastbarer als eine vorläufige Angabe, die später unbemerkt zur Bestellanforderung wird.
Häufige Fragen
Reicht „V2A“ in einer Anfrage für Edelstahl-Stanzteile?
Nein. „V2A“ ist keine eindeutige Bestellbezeichnung. Für Edelstahl-Stanzteile sollten Werkstoffnummer, anwendbare Norm mit Ausgabe sowie Liefer- und Oberflächenzustand in den freigegebenen Unterlagen stehen.
Muss ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 immer mitgeliefert werden?
Nein. Der verlangte Dokumenttyp muss in Anfrage und Bestellung vereinbart werden. Der Lieferant sollte außerdem bestätigen, auf welches Material und welche Lieferung sich das Dokument bezieht.
Ersetzt das Werkstoffzeugnis den Maßprüfbericht des Stanzteils?
Nein. Das Werkstoffzeugnis und der Maßprüfbericht haben unterschiedliche Gegenstände. Wenn beides benötigt wird, müssen beide Dokumente mit Zuordnung zu Teil, Los und Materialcharge bestellt werden.
Was passiert, wenn die Edelstahlgüte noch nicht freigegeben ist?
Nennen Sie Anwendung, Medium, Temperaturbereich und funktionale Anforderungen, markieren Sie die Güte als offen und bestimmen Sie den Freigabeverantwortlichen. Ein Vorschlag des Lieferanten sollte vor Materialbestellung schriftlich freigegeben werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- DIN Media: DIN EN 10088-2:2025-01 – Lieferbedingungen für Blech und Band aus korrosionsbeständigen Stählen für allgemeine Verwendung.
- DIN Media: DIN EN 10204:2005-01 – Arten von Prüfbescheinigungen für metallische Erzeugnisse.
- DIN Media: DIN EN ISO 13715:2020-01 – Angaben und Bemaßung für Kanten mit unbestimmter Gestalt.
Nächster Schritt
Füllen Sie die RFQ-Vorlage aus und senden Sie Zeichnung und Spezifikationen über Kontakt. Den Fertigungsrahmen finden Sie auf der Seite Stanzteile nach Zeichnung.