Eine Werkstoffbezeichnung allein beschreibt noch nicht, wie sich ein Blech beim Stanzen und Biegen verhält. Ergänzen Sie deshalb den Lieferzustand, die maßgebende Spezifikation und die benötigten mechanischen Kennwerte. Das ist besonders wichtig, wenn Federwirkung, Rückfederung, Biegeradius, Rissfreiheit oder die spätere Wärmebehandlung für die Funktion entscheidend sind.
Bei Stanzteilen nach Zeichnung sollte diese Information schon mit der Anfrage vorliegen. Konstruktion, Materialeinkauf und Werkzeugauslegung arbeiten dann mit demselben Ausgangszustand, statt nur denselben Kurznamen für den Werkstoff zu sehen.

Welche Eigenschaften legt der Lieferzustand fest?
Der Lieferzustand beschreibt eine vorangegangene Herstellung oder Behandlung des Halbzeugs. Walzen, Glühen, Kaltverfestigen oder Vergüten können Gefüge, Festigkeit und Umformbarkeit verändern. Zwei Bleche mit verwandter Werkstoffbezeichnung können sich deshalb bei gleicher Geometrie unterschiedlich verformen oder zurückfedern.

Der Google-Spitzentreffer von JuS erklärt Zugfestigkeit als maximale Zugspannung vor dem Bruch. Für eine Stanzteilanfrage reicht dieser Einzelwert nicht: Streck- oder Dehngrenze betrifft den Beginn bleibender Verformung, Bruchdehnung beschreibt die Verformbarkeit bis zum Bruch, und Härte bewertet den Widerstand gegen Eindringen. Diese Kennwerte sind verwandt, aber nicht austauschbar.
| Angabe | Praktische Bedeutung für das Teil | Was Sie angeben sollten |
|---|---|---|
| Werkstoffgüte | Chemische Zusammensetzung und grundlegende Werkstoffgruppe | vollständige Norm- oder Werksbezeichnung |
| Lieferzustand | vorausgegangene Wärme- oder Kaltbehandlung | Zustandskürzel und zugehörige Spezifikation |
| Streck- oder Dehngrenze | Beginn bleibender Verformung | benötigter Bereich, wenn die Funktion davon abhängt |
| Zugfestigkeit und Bruchdehnung | Festigkeit und verbleibende Verformbarkeit | Werte aus dem gültigen Materialdatenblatt |
| Härte | lokaler Widerstand gegen Eindringen oder Verschleiß | Prüfverfahren, Einheit und Messzustand |
| Prüfnachweis | Rückverfolgbare Bestätigung des gelieferten Materials | gewünschtes Dokument vor der Bestellung festlegen |
UnionStahl beschreibt +AR als wie gewalzt, +N als normalgeglüht oder normalisierend gewalzt und +M als thermomechanisch gewalzt. Materials4me nennt weitere Zustände wie +A für weichgeglüht und +QT für vergütet und weist bei kombinierten Zuständen auf die Reihenfolge hin. Diese Kürzel sind Beispiele; maßgebend bleibt die Spezifikation des tatsächlich bestellten Halbzeugs.
Auch bei Aluminium macht der Zustand einen deutlichen Unterschied. Das thyssenkrupp-Datenblatt für EN AW-5754 führt je nach Zustand und Dickenbereich unterschiedliche Werte für Dehngrenze, Zugfestigkeit und Bruchdehnung auf. Ein Tabellenwert darf daher nicht ohne Güte, Zustand und Abmessungsbereich in eine Zeichnung übernommen werden.
Kailai veröffentlicht für die Stanzfertigung unter anderem Q195, Q235, Q345 sowie 304L, 316L und 409L. Diese Liste beschreibt den Fertigungsrahmen. Ob eine konkrete Normgüte mit dem gewünschten Lieferzustand beschafft und verarbeitet werden kann, wird anhand der Projektunterlagen bestätigt.
Wie wird der Werkstoffzustand zur prüfbaren Bestellanforderung?
Beginnen Sie mit der vollständigen Bezeichnung aus Ihrer Konstruktion oder Materialspezifikation. Ergänzen Sie den Zustand, die Blechdicke, die Lieferform und alle Kennwerte, die für die Funktion wirklich erforderlich sind. Wenn ein Wert nur informativ ist, kennzeichnen Sie ihn entsprechend; wenn er ein Abnahmekriterium ist, nennen Sie Prüfverfahren, Messzustand und zulässigen Bereich.

Für eine eindeutige Anfrage gehören diese Punkte zusammen:
- vollständige Werkstoffbezeichnung mit Norm oder kundeneigener Spezifikation;
- Lieferzustand des Blechs vor Stanzen und Biegen;
- Blechdicke, Lieferform und gegebenenfalls Walzrichtung;
- funktionsrelevante Kennwerte statt einer unspezifischen Angabe wie „hart“;
- vorgesehene Wärme- oder Oberflächenbehandlung nach der Umformung;
- gewünschter Werkstoffnachweis und Prüfbericht;
- Zeichnungsrevision, Jahresmenge und geplante Losgröße.
Trennen Sie außerdem den Zustand des Vormaterials vom Zustand des fertigen Teils. Soll das Bauteil nach dem Stanzen gehärtet, spannungsarm geglüht oder anderweitig behandelt werden, muss die Fertigungsfolge in Anfrage und Zeichnung erkennbar sein. Sonst kann ein richtiger Ausgangswerkstoff zu einem falschen Endzustand führen.
Eine reine Härteangabe löst diese Aufgabe nicht. Härte, Zugfestigkeit und Streckgrenze werden mit unterschiedlichen Verfahren bestimmt und beschreiben verschiedene Eigenschaften. Falls Ihre Spezifikation eine Umrechnung zulässt, muss klar sein, auf welcher Werkstoffgruppe und welchem Verfahren sie beruht. Für kritische Funktionen ist der direkt geforderte Kennwert die bessere Bestellgrundlage.
Die Seite Qualität und Prüfung beschreibt die Eingangsprüfung von Rohmaterialien auf chemische Zusammensetzung und mechanische Eigenschaften. Werkstoffnachweise und Prüfunterlagen werden projektbezogen festgelegt. Wenn Sie ein bestimmtes Materialzeugnis benötigen, geben Sie es zusammen mit der Werkstoffanforderung an und nutzen Sie zusätzlich die Hinweise zum 3.1-Zeugnis.
Senden Sie Zeichnung, Materialspezifikation und Stückzahl über die technische Anfrage. Für Ihre Stanzteile nach Zeichnung kann Kailai dann prüfen, welcher Lieferzustand angeboten wird, welche Kennwerte dokumentiert werden und ob die geplante Umformung zum ausgewählten Material passt.
Häufige Fragen
Ist die Zugfestigkeit des Werkstoffs dasselbe wie die Streckgrenze?
Die Zugfestigkeit des Werkstoffs ist nicht dasselbe wie die Streckgrenze. Die Streck- oder Dehngrenze kennzeichnet den Beginn bleibender Verformung, während die Zugfestigkeit die höchste Zugspannung vor dem Bruch beschreibt. Für Stanzteile können beide Werte sowie die Bruchdehnung relevant sein; die erforderlichen Werte müssen aus der passenden Materialspezifikation stammen.
Reicht eine Härteangabe für den Werkstoff von Stanzteilen aus?
Eine Härteangabe für den Werkstoff von Stanzteilen reicht für die Materialdefinition meistens nicht aus. Härte, Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung beschreiben unterschiedliche Eigenschaften. Nennen Sie zusätzlich Werkstoffgüte, Lieferzustand und das verwendete Härteprüfverfahren. Kritische mechanische Kennwerte sollten direkt mit Einheit, Messzustand und zulässigem Bereich angegeben werden.
Muss der Lieferzustand des Werkstoffs nach einer Wärmebehandlung neu festgelegt werden?
Der Lieferzustand des Werkstoffs nach einer Wärmebehandlung muss als Teil der Fertigungsfolge eindeutig festgelegt werden. Materials4me zeigt, dass selbst die Reihenfolge von Kaltziehen und Vergüten den Endzustand verändert. Nennen Sie daher Ausgangszustand, nachgelagerte Behandlung und geforderte Endeigenschaften getrennt, wenn das fertige Stanzteil wärmebehandelt werden soll.
Welche Werkstoffangaben benötigt Kailai für Stanzteile nach Zeichnung?
Für Stanzteile nach Zeichnung benötigt Kailai die vollständige Werkstoffbezeichnung, Blechdicke, Lieferzustand und Zeichnungsrevision. Ergänzen Sie funktionsrelevante Kennwerte, geplante Nachbehandlungen, Jahresmenge und den gewünschten Dokumentationsumfang. Kailai listet mehrere Stahl-, Edelstahl- und Nichteisenwerkstoffe; die konkrete Güte und Ausführung werden jedoch immer projektbezogen bestätigt.
Welcher Nachweis bestätigt den Lieferzustand des Werkstoffs für Stanzteile?
Der Nachweis zum Lieferzustand des Werkstoffs für Stanzteile hängt vom vereinbarten Dokumentationsumfang ab. Kailai beschreibt projektbezogene Werkstoffnachweise sowie Prüfberichte. Legen Sie vor der Bestellung fest, welches Zeugnis, welche Kennwerte und welche Chargenzuordnung benötigt werden. Ein Materialzeugnis und ein Fertigteil-Maßbericht erfüllen dabei unterschiedliche Prüfaufgaben.